Aktuelles vom Archivverbund Bautzen

Schriftstücke von Johannes Langer aus Bolkenhain, evangelischer Theologe und früher Reformator in Naumburg und Coburg, im Stadtarchiv entdeckt

  Archiv Bautzen

Eine interessante Entdeckung machten kürzlich die Bearbeiter der Urkunden des Bautzener Stadtarchivs. Mit Datum vom 10. Oktober und 2. November 1529 fielen ihnen zwei Urkunden in die Hände, die aus der Feder von Johannes Langer von Bolkenhain (Bolków) stammen. Langer (* um 1485/1486–1548) war ein evangelischer Theologe und Reformator und gilt als einer der prominentesten Figuren der frühen Reformationsgeschichte.

Nach seinem Studium an der Universität Leipzig war Langer in Naumburg tätig, anfangs als Prediger am Domstift, später als vom Rat der Stadt Naumburg ausdrücklich und offiziell berufener evangelischer Prediger an der Stadtkirche St. Wenzel.

Im Jahre 1527 kam es zu Streitigkeiten zwischen Bischof Philipp von der Pfalz und dem Naumburger Rat wegen Änderungen an der Gottesdienst- bzw. Messordnung, der zur Entlassung des inzwischen in Naumburg sehr angesehenen Predigers führte. Langer verließ Naumburg und ging nach Wittenberg, wo er engen Kontakt mit Martin Luther und besonders mit Philipp Melanchthon gehabt haben muss, mit dem er bis zu seinem Lebensende im Briefkontakt stand. Möglicherweise unterstütze er Luther in seiner Wittenberger Zeit sogar bei der Verfassung der „Schwabacher Artikel“.

Zeitgleich erfuhr auch der Rat der Stadt Bautzen von der Vakanz Langers und warb um die Dienste des angesehenen reformatorischen Predigers in Bautzen. Im Oktober bzw. November 1529 teilte Langer dem Bautzener Rat jedoch mit, dass „er das Angebot des Predigeramtes derzeit nicht annehmen könne, da er mit dem Rat der Stadt Naumburg eine Abmachung habe“ und später, im zweiten Schreiben „das er von Kurfürst Johann von Sachsen in das Predigeramt nach Coburg berufen worden sei und er diese Stelle angenommen habe.“ Langer predigte seit 1530 in Coburg und verstarb dort im Jahr 1548. Die im Archivverbund Bautzen, Stadtarchiv, erhaltenen Briefe sind eine der wenigen erhaltenen handschriftlichen Zeugnisse von ihm.

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