Stadtarchiv Bautzen

Das Stadtarchiv Bautzen ist das Gedächtnis der Stadt Bautzen. Hier werden städtische Unterlagen aus dem 13. Jahrhundert bis heute archiviert. Archivgut sind unabhängig von ihrer Speicherungsform alle Aufzeichnungen, insbesondere Urkunden, Amtsbücher, Akten, Einzelschriftstücke, Karten, Risse, Pläne, Bilder, Filme und Tonaufzeichnungen. Der amtliche Bestand wird durch nichtamtliche Unterlagen ergänzt, die in der Regel aus Schenkungen stammen. Dabei handelt es sich insbesondere um Nachlässe oder Unterlagen von Vereinen und Verbänden. Ergänzend stehen die Archivbibliothek sowie die Zeitungsausschnittsammlung zur Recherche zur Verfügung.

Geschichte des Bautzener Stadtarchivs

1002 Budissin wird erstmals in der Chronik des Thietmar von Merseburg erwähnt.
bis 14. Jhd. Schriftstücke werden vorrangig in Form von Urkunden erstellt und vielleicht in einer gut gesicherten Truhe aufbewahrt. Das ist das Ratsarchiv, welches später Stadtarchiv genannt wird. Urkunden aus dieser Zeit werden noch heute in unserer Einrichtung aufbewahrt, sie sind somit die ältesten Archivalien.
1346 Gründung des Sechsstädtebundes. Absprachen und Vereinbahrungen der Städte untereinander lassen den Schriftwechsel ansteigen.
um 1400 Die ersten Amtsbücher der Stadt Bautzen werden geschrieben. Sie dokumentieren Steuereinnahmen, Stadtzölle, Gerichtsentscheide, Stadtordnungen u.a.
1464 Zwei Gewölbe im Rathaus werden als Archiv eingerichtet.
1597 Anlegung des wohl ersten Inventariums des Archives, welches sich noch heute in unseren Beständen befindet. Ratsregistrator Melchior Birke ist für die Arbeit zuständig. Vorliegende Schriftstücke werden alphabetisch eingeordnet.
1620/34 bis 1704 Verheerende Stadtbrände zerstören Bautzen, die wertvollen Bestände des Archives können zu großen Teilen gerettet werden.
1847 Der stark anwachsende Schriftverkehr macht nach Einführung der neuen Städteordnung 1835 die Anlegung des Neuen Archives entsprechend der neuen Verwaltungsstruktur notwendig.
1887 Geheim-Rat Dr. Hubert Ermisch besucht das Stadtarchiv im Auftrag der Staatsregierung. Er findet in einem alten Schrank über 3000 bisher unbekannte Urkunden.
1900 Dr. Arras wird als erster nebenamtlicher Archivar im Stadtarchiv eingestellt.
1914 Umzug des Stadtarchivs aus dem Rathaus in das Waisenhaus, Äußere Lauenstraße 23.
1921 bis 1966 Willy Mendel beginnt mit der Arbeit an der Oberlausitzer Familienkartei, in welcher er genealogische Angaben von Oberlausitzer Bürgern u.a. aus den Archivalien des Stadtarchivs sammelt und katalogisiert. 1938 wird Mendel als hauptamtlicher Archivar eingestellt. Die Kartei wächst im Laufe seiner Tätigkeit auf ca. 200.000 Karteikarten an und ist bis heute ein herausragendes Instrument zur Familienforschung. Unter seiner Regie entstehen weiterhin eine umfangreiche Stichwortkartei und die Zeitungsausschnittsammlung. Insgesamt legte Mendel mit seiner verdienstvollen Tätigkeit den Grundstein für die heutige Auswertungsarbeit im Stadtarchiv.
1945 Teile des Stadtarchivs werden nach Medewitz, Leisnig und Wurschen ausgelagert. Einige wertvolle Stücke werden zusammen mit den Inkunabeln der Stadtbibliothek in einem Banktresor im Keller des Wendischen Hauses am Lauengraben verwahrt. Diese werden 1947 fast unversehrt geborgen. Insgesamt hat das Stadtarchiv keine größeren Verluste zu beklagen.
1950 Das Stadtarchiv bezieht Räume in der Ortenburg.
1966 bis 1990 Das Stadtarchiv erfährt nach dem Ausscheiden Mendels aus dem Archivdienst immer enger werdende räumliche und personelle Grenzen.
Akuter Schimmelpilzbefall des Gebäudes durch defekte Fenster, defekte Heizung und Mauerrisse tritt ein. Eine Gefährdung der wertvollen Archivalien ist gegeben, eine Benutzung nicht mehr möglich.
Mehrmalige Umlagerungen innerhalb des Gebäudes setzen den Archivalien weiter zu.
1990 Nach einem Beschluss des Runden Tisches werden die Archivbestände in das Justizgebäude, Lessingstraße 7c, umgelagert.
ab 1991 Neuordnung und Einlagerung des Stadtarchives in Regalen, die vom Stadtarchiv Sigmaringen kostenlos bereitgestellt werden. Darin können ca. 65 % des Gesamtbestandes untergebracht werden. Das restliche Archivgut wird teilweise gesichtet, muss jedoch auf Grund von Raumknappheit verpackt bleiben. Wertvolle Bestände wie Ratsprotokolle und Urkunden sind weiterhin nicht zugänglich.
1992 Teile des Stadtarchivs sind aufgearbeitet und können von der Öffentlichkeit wieder genutzt werden. Dies wird rege in Anspruch genommen.
1994 Die Archivbibliothek und das Bildarchiv werden neu katalogisiert. Erste Bestände werden mittels Archivsoftware verzeichnet.
2001 Einzug des Stadtarchivs und des Staatsfilialarchivs in die Schloßstraße 10 bis 14. Hier finden beide, nun im Verbund arbeitenden Archive, gemeinsam mit der Stadtbibliothek dauerhafte Unterkunft. Die Baukosten zur Sanierung bzw. den Neubau des Gebäudekomplexes Schloßstraße 10 bis 14 betragen insgesamt 15 Mio DM/7,67 Mio €. Mit der Entscheidung für den Standort Schloßstraße bekennt sich die Stadt selbst zur Altstadtsanierung und wagt statt eines Neubaus ihr bislang größtes Sanierungsvorhaben.

Erfahren Sie mehr zur Geschichte des Archivverbundes.