Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten erlebten öffentliche Büchereien ab 1933 einen regelrechten Boom, wurden von der nationalsozialistischen Ideologie aber auch vollständig vereinnahmt. Bibliotheken sollten ganz und gar der Bildung und Erziehung des nationalsozialistischen Menschen dienen. Diesen neuen Arbeitsauftrag nahm der Bautzener Bibliothekar Kurt Marx, der in Personalunion auch das hiesige Stadtarchiv leitete, dabei außergewöhnlich ernst und stellte seine bibliothekarische Tätigkeit völlig in den Dienst der „Volksgemeinschaft“. Im Geiste der Doktrin schloss er zum Beispiel Bevölkerungsgruppen wie die Sorben konsequent von der Benutzung aus.
Auf Grundlage akribischer Untersuchungen - auch von Aktenmaterial aus dem Stadtarchiv und dem Staatsfilialarchiv Bautzen - wird die Historikerin Claudia Dietze vom Institut für sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV) das Wirken von Kurt Marx als Leiter der Bautzener Volksbücherei im Dritten Reich eingehend beleuchten.
Der Vortrag findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Archivverbunds am Dienstag, den 9. Juni 2026 um 19.00 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr) im Veranstaltungsraum von Archiv und Bibliothek in der Schloßstraße 12 statt. Der Eintritt ist frei.
